Bericht

Spaziergang für Feinschmecker in Chevenez…

 
   
 

Grosse Zweifel am Sonntagmorgen bei Tagesanbruch, wird das Wetter durch den Tag hindurch wohl trocken bleiben? Nach dem zurückliegenden, katastrophalenSamstag, würde dieser erste Sommertag voraussichtlich eisig kalt werden!

   
 

Aber keineswegs. Kein einziger Regentropfen im Verlaufe des Tages, eine kleine, für die Jahreszeit etwas kühle Bise, aber keine Fliegen und schöne Sonnenabschnitte, kurz, das ideale Wetter für Wanderreiter!

Zeit die Pferde zu striegeln, eine Tasse Tee runter zu schlucken und Eric zu wecken – all das in etwas überstürzter Manier, so brechen wir in Richtung Chevenez in der Ajoie auf.
Vorsichtshalber haben wir eine dünne Jacke und unsere Regensachen eingepackt Genauso habe ich auch meine Erste Hilfe-Tasche, die Schmiedeutensilien und eine Fülle von Stricken verschiedenster Längen eingesteckt. Man kann nie wissen. ... Da aber Alain und Eric die Strecke mit
dem Gespann zurücklegen würden, packte ich mein ganzes Material auf den Gig und begnügte mich damit, die Karte zu tragen! Es ist immer angenehm "leicht" bepackt unterwegs zu sein. So waren wir frohen Mutes, als wir uns in der Reithalle von Chevenez (die von Josi Oeuvray) zu Tische setzten, um etwas Butterzopf und hausgemachte Marmelade zu essen und eine Tasse heissen Kaffee zu trinken. An diesem Morgen war es wirklich kühl.

       
 

Die Pferde abladen, das eine eingespannt, das andere gesattelt, so sind wir einige Minuten später aufgebrochen. Weitere Minuten später musste Eric der Gebrauch des Fotoapparates erklärt werden...

Er hatte sich als Reporter auf den Weg gemacht, ohne den Deckel vom Objektiv zu nehmen.

Mmmmh, es machte den Anschein, dass wir unterwegs weniger Leute antreffen würden, als in anderen Jahren. Ein Eindruck, der sich beim ersten Zwischenhalt, reserviert für die Gespanne,
bestätigte. Die Gespanne waren in diesem Jahr wenig zahlreich und ihre Rundfahrt begann auf einem separaten Weg. Aber der Weisswein (etwas früh am Morgen für meinen Geschmack) und die Toétché waren ein Genuss. Man soll zu Kräften kommen, bevor man sich in den Wald hinein wagt!

 

 

   
 

Hübscher Spaziergang im Bô d’Estai. Die Eichen spriessen wieder und einige Gebiete wurden neu bepflanzt, aber die Verwüstung durch Lothar ist auch nach 10 Jahren noch zu sehen. Die Anhöhe des Hügels war durch das Unwetter kahl rasiert worden. Am Ende des Waldes eine Menschenmenge. Die Vorspeise erwartete uns. Bauern-Terrine und ein kleiner Salat. Die Fussgänger und Reiter hatten sich ebenfalls eingefunden. Zwei grosse Gespanne trafen ein, als wir wieder aufbrachen. Gratulation den Fahrern: Es gelang ihnen ihre Gespanne so zu platzieren, dass der Waldweg frei blieb.

Noch eine Schlaufe im Wald und wir trafen auf die Baustelle der Autobahn. Die berühmten Dinosaurierspuren waren nicht weit entfernt... Aber zu weit, um sie vom Weg aus zu erblicken. Ein Glas Apfelsaft erwartete uns einige Höfe weiter. Mit einer angenehmen Überraschung für mich!

Die Besitzer des Hofes fragten in die Runde, ob jemand an der "Miete" eines Kirschbaumes interessiert sei. Die Kirschen sind heuer zahlreich und der Direktverkauf scheint der einzige Weg zu sein, die Früchte ohne grosse Einbusse zu vertreiben. Ich habe folglich "meinen" Kirschbaum gemietet und werde in einigen Tagen zurückkehren, um die Kirschen zu pflücken.

 

 

 
 

Nach weniger als einem Kilometer, empfing uns ein anderer Hof für den Hauptgang: Schweinsfilet an Pfeffersauce, Rösti und Saisongemüse. Dazu Wein nach Lust und Laune eines jeden. Aahh, dieser Koch kannte sich mit seinem Fleisch aus und wählte die perfekte Garzeit, so dass das ganze Stück Fleisch seinen vollen Geschmack und seine Saftigkeit behielt.
Beim Anblick der Neuankömmlinge (die beiden Gespanne), hielten wir uns nicht länger auf. Gerade noch Zeit für einen Schwatz mit Bekannten und um Chivas durchzubürsten und erneut anzuschirren. Ah, siehe da, es waren doch auch einige Fahrradfahrer unterwegs.

Der Rückweg führte uns über die Felder, entlang von langen Feldwegen, so wie man sie schätzt, mit einem Grasstreifen in der Mitte. Mit all diesen
Kindern, die um uns herum rannten, war es wohl besser langsam vorzurücken. Notbremse kurz vor dem "Käsehalt": ein herrenloses Pferd kam auf uns losgestürmt wild entschlossen, neben den Fussgängern auch unser Gespann und mein Pferd zu überrennen.

       
 
Die Fussgänger brachten sich in Sicherheit und wir platzierten uns so, dass dem Ausreisser keine Wahl blieb. Eine drohende Peitsche zu seiner Linken und ein schrecklicher Stacheldraht zu seiner Rechten.... oder eben anhalten und warten bis seine Reiterin bei uns eintraf. Die brave Stute, so konnte ich unterdessen feststellen, hat es vorgezogen zu warten. .. Ein weiser Entschluss. Vor unserem Eintreffen scheint es aber etwas Aufregung gegeben zu haben. Die Stute hatte nicht nur ihren Anbindestrick zerrissen, ihre Stallgefährtin hatte auch noch die Zügel zerhudelt. Ich habe ihnen meine Stricke angeboten. Als schüchterne oder auch wenig praktische Reiter, haben sie sich aber für Schnurstücke entschieden.
 

 


 


   
 

Da weder Eric noch ich Käsefans sind, fühlte sich Alain etwas allein gelassen, hat aber trotzdem kräftig zugegriffen und den Tomme und den Käse von Chaux-d Abel, die Ajoie degustiert, bequem auf dem Bremsklotz des Gig gelagert. Ich hatte Lust auf einen Kaffee.

Nach einem kleinen Abstieg und der Durchquerung des Dorfs Chevenez, blieb uns einzig das Ausschirren und Absatteln unserer Pferde, um diese in den Pferdanhänger zu verladen. Also! Die beiden hatten bereits einen Halt an einem Dorfbrunnen genossen, gut getrunken und sich amüsiert. Chivas machte Blasen unter Wasser und Dana bewegte die Wasseroberfläche, um jegliche Unreinheit zu entfernen.

Jetzt also hatten wir uns den Kaffee verdient. Einen Kaffee und ein Stück Gebäck! Das gehört doch zusammen, nicht
wahr? Einen Schwatz später, machten wir uns ans wiederholte Hin- und Zurückfahren, um erst die Pferde und danach auch den Wagen nach Hause zu fahren.
Wiederum ein schöner Tag.

       
 

Die Organisatoren haben mir meinen Eindruck bestätigt: in diesem Jahr hatte es weniger Teilnehmer. Die "Spaziergänge für Feinschmecker" sind in der Westschweiz zahlreich geworden und die Leute reisen weniger umher. Die Fahrradfahrer z.B. scheinen anderswo eine Verabredung gehabt zu haben.


   
 

Auch die Gespanne haben diese Austragung gemieden. Hatten die Fahrer Angst vor den Höhenunterschieden? Mit gutem Material ausgerüstet und trainierten Pferden braucht man sich keine Sorgen zu machen. Na ja, was nicht war, kann noch werden, 2010 ist auch wieder ein Jahr. Ich danke l’Etrier Ajoulot für diesen gelungenen Spaziergang und all die feinen Speisen.

Auf bald